Saint Lucia

Saint Lucia
Saint Lucia
 
 
 
Fläche: 616 km2
 
Einwohner: (2000) 156 000
 
Hauptstadt: Castries
 
Amtssprache: Englisch
 
Nationalfeiertage: 22. 2., 13. 12.
 
Währung: 1 Ostkarib. Dollar (EC$) = 100 Cents (c)
 
Zeitzone: 700 Castries = 1200 MEZ
 
[snt'luːʃə], ostkarib. Inselstaat der Windward Islands, umfasst die gleichnamige Insel der Kleinen Antillen, 616 km2, (2000) 156 000 Einwohner; Hauptstadt und -hafen ist Castries; Amtssprache: Englisch. Währung: 1 Ostkarib. Dollar (EC$) = 100 Cents (c). Zeitzone: Atlantic Standard Time (700 Castries = 1200 MEZ).
 
 Staat und Recht:
 
 
Laut Verfassung von 1979 ist Saint Lucia eine parlamentarische Monarchie im Commonwealth. Als Staatsoberhaupt fungiert der britische Monarch, repräsentiert durch einen einheimischen Generalgouverneur. Die Legislative liegt beim Zweikammerparlament, bestehend aus Senat (11 vom Generalgouverneur ernannte Mitglieder) und Abgeordnetenhaus (17 auf fünf Jahre gewählte Abgeordnete), die Exekutive bei der Regierung unter Vorsitz des Premierministers
 
Parteien:
 
Einflussreichste Parteien sind die sozialdemokratische Saint Lucia Labour Party (SLP, gegründet 1946) und die konservative United Workers' Party (UWP, gegründet 1964).
 
 
Das Wappen zeigt einen durch ein goldenes Zuckerrohrkreuz gevierten Schild. In den vier Feldern erinnern zwei goldene Rosen (der Tudors) und zwei goldene Lilien (der Bourbonen) an den zweihundertjährigen Kampf zwischen Großbritannien und Frankreich um den Besitz der Insel; im Oberwappen hält aus einem Stechhelm heraus die Hand eines Afroamerikaners eine brennende Fackel in die Höhe. Als Schildhalter dienen zwei Vögel; unter dem Schild ein Band mit der Aufschrift »The Land, The People, The Light« (»Das Land, Das Volk, Das Licht«).
 
Nationalfeiertage:
 
Nationalfeiertage sind der 22. 2. (Unabhängigkeitstag) und der 13. 12.
 
 
Einteilung in 11 Gemeinden (»Parishes«).
 
 
Die Rechtsprechung folgt dem englischen Common Law. Saint Lucia ist in zwei Gerichtsbezirke gegliedert, in denen neun Magistratsgerichte bestehen. Der Oberste Gerichtshof (mit Berufungsgericht) in Castries ist auch für Saint Kitts und Nevis sowie für Saint Vincent and the Grenadines zuständig. Letzte Berufungsinstanz ist der Privy Council in London.
 
 
Es besteht eine rd. 300 Mann starke Polizeitruppe, in die eine Spezialeinheit für Verteidigungszwecke integriert ist.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Die gebirgige Insel (im Mount Gimie 950 m über dem Meeresspiegel) gehört zum inneren, vulkanischen Inselbogen der Ostkaribik. Sie ist überwiegend aus früh- und mitteltertiären Andesiten, Basalten und Rhyolithen aufgebaut, in die im Norden und Süden sedimentäre Ebenen eingeschnitten sind. Das randtropische Klima steht unter dem Einfluss des Nordostpassats, mit durchschnittlichen Temperaturen von 25-30 ºC und Jahresniederschlagsmengen von rd. 1 200 mm im Südwesten (Lee) bis über 3 500 mm im Bergland und auf der luvseitigen Nordostabdachung. An die Stelle des nur noch in höheren Lagen erhaltenen tropischen Regenwaldes ist Sekundärvegetation oder landwirtschaftliche Nutzung getreten.
 
 
Die Bewohner sind überwiegend Schwarze und Mulatten (zusammen 96 %), Nachkommen der aus Afrika verschleppten Sklaven; 3 % Inder, 1 % Europäer. Infolge der französischen Besiedlung der Insel spricht die Bevölkerung neben Englisch ein französisches Kreolisch. Die Geburtenrate beträgt (1994) 25,0 ‰, die Sterberate 5,4 ‰. In Castries leben (1993) 53 900, in Micoud (Ostküste) 15 600, in Gros Islet 14 000 und in Vieux Fort (im Süden) 13 600 Einwohner.
 
 
Es besteht Religionsfreiheit. Rd. 95 % der Bevölkerung sind Christen: rd. 76 % gehören der katholischen Kirche an (Erzbistum Castries), rd. 16 % protestantischen Kirchen (Adventisten, Pfingstler, Baptisten, Methodisten u. a.), rd. 3 % der anglikanischen Kirche (Provinz Westindien). Es gibt religiöse Minderheiten der Bahais, Hindus, Rastafaris sowie Anhänger des europäischen Spiritismus (Kardecismus).
 
 
Schulpflicht besteht vom fünften bis zum fünfzehnten Lebensjahr, wobei man siebenjährige Primar- und drei- beziehungsweise fünfjährige Sekundarschulen unterscheidet. Zwei Lehrerbildungsanstalten und ein technisches College sind in das Hochschulzentrum von Castries integriert, das Fernstudien der University of the West Indies, Kingston (Jamaika), anbietet. Die Analphabetenquote beträgt 20 %.
 
 
In geringen Auflagen erscheinen zweimal wöchentlich »The Voice of Saint Lucia« (gegründet 1885), wöchentlich »The Crusader« (gegründet 1934), »The Mirror« (gegründet 1994) und »The Star« sowie 14-täglich »The Vanguard« und monatlich »The Catholic Chronicle« (gegründet 1957). Hörfunkprogramme werden ausgestrahlt von den der staatlichen »Saint Lucia Broadcasting Corporation« unterstehenden Gesellschaften »Radio Caribbean International« (kommerziell), »Radio Koulibwi«, »Trinity Broadcasting Network« und »Radio Saint Lucia« (RSL). Neben den Programmen der Fernsehanstalten »Cablevision«, »Daher Broadcasting Service« und »Helen Television System« (HTS, staatlich-kommerziell) werden Kabelfernsehprogramme übertragen.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Das zur Karibischen Gemeinschaft und zur Organisation Ostkarib. Staaten (OECS) gehörende Land verfügt über ein Bruttosozialprodukt (BSP) von (1995) 3 370 US-$ je Einwohner Wichtigste Wirtschaftszweige sind der exportorientierte Bananenanbau, Tourismus, Handel und öffentlicher Sektor. Der Agrarbereich trägt (1995) 10 % zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, 24 % aller Beschäftigten sind in ihm tätig. 1995 wurden 105 500 t Bananen exportiert. Daneben werden Kokosnüsse, Kakao und Zitrusfrüchte sowie Gemüse und Knollenfrüchte angebaut. Der Zuckerrohranbau ist seit 1963 eingestellt. Es gibt kaum mineralische Rohstoffe. Der industrielle Sektor erbringt rd. 18 % des BIP, davon das verarbeitende Gewerbe 6 % mit 14 % der Beschäftigten. Es gibt einige Exportproduktionszonen bei Castries und Vieux-Fort; dort werden v. a. Elektronikbauteile, Textilien und Papierwaren hergestellt. Der Tourismus ist der wichtigste Bereich des Dienstleistungssektors: 1995 besuchten 434 400 Auslandsgäste (davon 40 % Kreuzfahrtteilnehmer) die Insel. Die Deviseneinnahmen aus dem Reiseverkehr belaufen sich auf (1993) 221 Mio. US-$. Wichtigste Herkunftsländer der Touristen sind die USA, Großbritannien und Deutschland. Seit Mitte der 70er-Jahre hat der Gesamtwert des Außenhandels stark zugenommen (Einfuhr 1994: 266 Mio. US-$, Ausfuhr: 100 Mio. US-$). Die wichtigsten Exportprodukte sind Bananen (1993: 48 % des Exportwertes), Textilien und Papiererzeugnisse. Haupthandelspartner sind die USA, Großbritannien sowie Trinidad und Tobago.
 
Verkehr:
 
Das (1994) 1 155 km lange Straßennetz ist im Norden relativ gut ausgebaut; eine Ringstraße führt um die ganze Insel. Tiefwasserhäfen gibt es in Castries (einschließlich des Kreuzfahrtterminals Pointe Seraphine) und in Vieux-Fort. Bei Cul-de-Sac befindet sich ein Ölterminal. Internationaler Flughafen Hewanorra im Süden der Insel, der Stadtflughafen Vigie bei Castries ist nur von regionaler Bedeutung.
 
 
Saint Lucia wurde um 1500 entdeckt; erste englische Siedlungsversuche zwischen 1605 und 1638 schlugen fehl. 1650 siedelten sich Franzosen an; bis 1814, als die Insel endgültig in britischen Besitz überging, war Saint Lucia zwischen England und Frankreich umstritten; 1838 kam die Kronkolonie zum Verband der Windward Islands. 1958-62 gehörte Saint Lucia der Westindischen Föderation an. 1967 wurde die Insel Mitglied der Westindischen Assoziierten Staaten. Am 22. 2. 1979 erlangte Saint Lucia die Unabhängigkeit. 1982-97 war die UWP Regierungspartei; die Wahlen 1997 gewann mit großem Vorsprung die SLP, Premierminister wurde Kenny Anthony.
 
 
Hb. der Dritten Welt, hg. v. D. Nohlen u. F. Nuscheler, Bd. 3: Mittelamerika u. Karibik (31992, Nachdr. 1995);
 G. Ellis: S. L. (London 31994);
 C. Jesse: Outlines of S. L.'s history (Castries 51994);
 W.-D. Sahr: Ville u. Countryside. Land-Stadt-Verflechtungen im ländl. St. Lucia (1997).
 

Universal-Lexikon. 2012.

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